Wo es in Wennigsenfür Sehbehinderte gefährlich wird
Betroffener kritisiert insbesondere die Situation im Bereich Hauptstraße und Sorsumer Straße

Diskussion: Bürgermeister Ingo Klokemann spricht mit Bettina Tost (von links, im Uhrzeigersinn) Ingwer Carstens, Sieglinde Schulz und Edeltraut Carstens.Foto: Stephan Hartung
Wennigsen. Ingwer Carstens wird nicht müde, sich für die Belange von blinden oder sehbehinderten Menschen in der Gemeinde Wennigsen einzusetzen. Der 66-Jährige hat eine stark eingeschränkte Sehkraft von lediglich 2 Prozent – und bekommt die Grenzen der Barrierefreiheit in der Öffentlichkeit häufiger zu spüren. Über eine Gefahrenstelle ärgert er sich besonders – auch, weil die Probleme seit Jahren bekannt sind.

Zuletzt ergriff Carstens Ende September in der Ratssitzung das Wort. Dabei sprach er erneut die seiner Meinung nach gefährlichste Ecke an, die sich im Bereich von Sorsumer Straße, Evestorfer Straße und Hauptstraße befindet. Worum es ihm geht, hat er jetzt bei einem Rundgang mit dieser Redaktion erklärt. Als Verstärkung hat er Familienmitglieder und Nachbarn mitgebracht. Alle sind ebenfalls stark sehbehindert und erkennen Umrisse nur schemenhaft.

Wer als Fußgänger auf Höhe des Friedhofsparkplatzes in Richtung Sorsumer Straße oder Haupstraße unterwegs ist, muss besonders vorsichtig sein. Grund sind Radfahrende, die verbotenerweise den Fußweg nutzen, um nicht auf die Straße wechseln zu müssen. Warum das gerade für sehbehinderte Menschen nicht ungefährlich ist? Durch die hohen Büsche werden sie von einbiegenden Radfahrenden spät oder gar nicht gesehen. „Ich habe schon mehrfach Schrammen davon getragen“, berichtet Carstens. Er ist nicht der Einzige aus der Gruppe, der an der Stelle nach eigener Schilderung schlechte Erfahrungen gemacht hat.

Was man den Radfahrern zugutehalten muss: Von Sorsum aus kommend, gibt es für sie keinen Hinweis darauf, dass sie ab Höhe des Friedhofseingangs rechtswidrig den Weg nutzen. „Andererseits können die Leute doch sowieso keine Schilder lesen. Die sind ja noch blinder als wir“, sagt Edeltraut Carstens mit einer Portion Zynismus über die für Sehbehinderte gefährliche Situation.

In diesem Moment fährt ausgerechnet Ingo Klokemann mit dem Rad aus einer anderen Richtung an der Gruppe vorbei. Der Bürgermeister (SPD) ist auf dem Weg ins Rathaus. Spontan hält er hält an, um mit Carstens und seinen Mitstreitern über die Situation zu sprechen. Bei der Gruppe kommt das gut an. „Toll, dass er sich Zeit genommen hat. Er hat ja auch viele Termine“, sagt Sieglinde Schulz.

Klokemann verweist darauf, dass eine Gemeinde nicht einfach Schilder aufstellen könne. Die Kommune sei an die Straßenverkehrsbehörde der Region gebunden. Ansonsten ist für die Kontrolle des fließenden Verkehrs die Polizei zuständig. „Da würde man hier bestimmt viele Vergehen feststellen. Aber die Polizei ist personell dafür auch nicht ausreichend aufgestellt“, sagt der Bürgermeister.

Leichter umzusetzen seien dagegen Piktogramme, die an dieser Stelle dem Radverkehr das Nutzungsverbot des Gehwegs anzeigen. Mit dieser Lösung wäre auch die Gruppe der Sehbehinderten einverstanden. „Da haben wir schon mit der Region gesprochen und machen das auch weiterhin“, so Klokemann. Außerdem soll die Hecke vor dem Friedhofsparkplatz gekürzt werden. „Das können wir machen lassen, damit man dort mehr Sicht hat.“

Edeltraut Carsten will nicht nur Kritik übeb. „Es gibt noch genug Barrieren. Aber die Gemeinde kümmert sich, vieles ist zuletzt besser geworden“, sagt sie. Dazu zähle der Übergang über die Sorsumer Straße, zwischen Gottlieb-Daimler-Straße und Lisa-Meitner-Straße. Sogenannte taktile Elemente im Pflaster weisen ihr dort den sichersten Weg. Gleiches gilt für den Überweg an der Heitmüller-Kreuzung. Und auch die Mittelinsel auf der Degerser Straße in Höhe des Baugebiets Caleidis sein für Menschen mit Sehbehinderung „eine große Hilfe“.

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