In der Theorie ist die Stadt Barsinghausen in Bezug auf den Ganztagsbetrieb sehr gut aufgestellt. An sechs der sieben Grundschulen gibt es den Ganztag bereits. Lediglich an der Wilhelm-Stedler-Schule existiert noch ein alternatives, kostenpflichtiges Angebot, das im Sommer vergangenen Jahres den Hort abgelöst hat. Doch wie genau sieht es praktisch mit der Umsetzung aus? Wie weit sind die Entwicklungen konkreter Konzepte oder Kooperationen mit Sportvereinen?
Im November ist die Stadt nach Angaben von Sozialdezernent Robert Engelmann mit den Vereinen in den Austausch gegangen, um über mögliche Kooperationen in der Nachmittagsbetreuung zu sprechen. Anfang Dezember folgte eine Veranstaltung zwischen Sportvereinen, Vertretern der Grundschulen sowie der Stadt. Die Befürchtung des Sportringvorsitzenden Bertold Kuban nach dem Treffen: „Möglicherweise wird zwar ein Rechtsanspruch ab dem 1. Juli 2026 bestehen, aber kein konkretes, verlässliches Angebot der Schulen geben, sodass die Schulleiterinnen und Schulleiter mit den Problemen allein dastehen werden.“
Sozialdezernent Robert Engelmann appelliert auf Nachfrage auch an die Schulen: „Die Hürden bei den Kooperationen dürfen nicht so hoch angesetzt und an Lizenzen fest gemacht werden.“ Laut Engelmann müsse „fachlich geeignetes Personal“ gefunden werden. Das sei aber nicht an eine Trainerlizenz gebunden, wie es derzeit die Schulen fordern. Unabdingbar ist und bleibt dagegen ein vorgelegtes Führungszeugnis sowie eine Masernimpfung.
Für Vereine sei es grundsätzlich schwer, Übungsleiter oder auch andere Ehrenamtliche zu finden, so Kuban. Hinzukomme die Verlässlichkeit. „Die Sportvereine würden dann einen Vertrag abschließen. Aber sie sind sehr reserviert, da sie Sorge haben, diesen nicht über das Schulhalbjahr oder Schuljahr erfüllen zu können“, sagt Kuban. Engelmann empfiehlt daher, Teams innerhalb der Vereine zu bilden, die sich abwechseln und einspringen können. Zudem betont er den besonderen Betreuungsschlüssel, den es im Ganztag in Barsinghausen gibt. „Wir liegen da bei einer Betreuung von 1:15, anstatt von 1:26″, so Engelmann. Im Fall eines Ausfalls kann also auch entsprechend reagiert werden.
Kuban fürchtet zudem eine Abwanderung von Trainern aus den Vereinen an die Schulen. Denn die Vereine zahlen deutlich weniger Geld für Übungsleiterstunden als über die Schulen abgerechnet werden können. Engelmann argumentiert dagegen. „Das Angebot mit der Schule ist nicht mit dem im Verein zu vergleichen. In der Schule geht es darum, ein Betreuungsangebot zu schaffen und, dass die Kinder dann eventuell in den Verein kommen. Es ist eine Chance, Mitglieder zu werben“, sagt Engelmann. Beim Vereinssport gehe es aber viel mehr um die einzelne Sportart und im weitesten Sinne darum, jemanden darin zu fördern.
Die Erwartung der Schulleitungen sei es, dass die Stadt Angebote hat, die Koordination übernehme und unterstütze, macht Kuban deutlich. In anderen Städten gebe es eine Stelle bei der Stadt dafür. Engelmann könne den Ansatz in Teilen nachvollziehen, doch es funktioniere nicht, die Gesamtverantwortung abzugeben. Eine entsprechende Stelle sei in Barsinghausen nicht vorgesehen.
Noch sind es ein paar Monate hin, bis der Ganztag endgültig greifen muss. Bleibt nur zu hoffen, dass bis dahin Wege gefunden werden, die für Vereine, Schulen und die Stadt im Sinne der Kinder eine gute Lösung darstellen. Ein neuer Termin zwischen den Vereinen, Stadt und Schule soll nach Angaben von Engelmann im Januar stattfinden.