Die 35-Jährige ist seit dem 1. Mai in ihrem neuen Amt und möchte mit dieser Neuerfindung am liebsten direkt beginnen. Sie sprüht vor Ideen, die Vorschläge sprudeln aus ihr heraus: „Discos für Konfis, Bands mit reinholen, im Sommer in der Kirche einen kleinen Strand aufbauen, für die Menschen, die nicht in den Urlaub fahren können.“ Dabei gestikuliert sie mit den Händen, ihre Augen leuchten – der neue Job begeistert sie sichtbar.
Kein Wunder, denn Kirche und Glauben begleiten Schoppe schon ihr ganzes Leben. Sie kam im südafrikanischen Mahikeng zur Welt, da ihr Vater zu der Zeit dort arbeitete. Mit drei Jahren zog es die kleine Rebecca und ihre Eltern nach Eldagsen, wo sie als Tochter eines Pastors im Pfarrhaus aufwuchs. Dadurch kam sie schon früh mit dem christlichen Glauben in Kontakt. „Ich habe durch die Kirchengemeinde Menschen kennenlernen dürfen, die mitten im Glauben stehen, die sich für Ärmere und Schwächere einsetzen. Das hat mich total überzeugt.“ Seitdem spielt Religion in ihrem Leben eine große Rolle.
Einen beruflichen Umweg nahm Schoppe aber. Zunächst absolvierte sie eine Ausbildung zur Logopädin und übte den Beruf auch ein paar Jahre aus. Dann entschied sie sich, in Kiel Theologie zu studieren, um ihrem Glauben auch im Arbeitsleben näherzukommen. Auf ihr Studium folgte schließlich ihr Vikariat zur Pastorin. „Im Laufe dessen kam mir die Idee, wieder näher Richtung Heimat zu ziehen“, erzählt Schoppe. Nach einer Anstellung in der Hannoverschen Landeskirche ergriff sie die Chance, als die Stelle zur Pastorin der beiden Ronnenberger Stadtteile frei wurde.
„Die Kirchengemeinden in Weetzen und Linderte gestalten kirchliches Leben sehr selbstbewusst“, begründet Schoppe den Schritt. Damit ist sie mit ihren Visionen am richtigen Ort. „Mein Traum ist es, dass wir zu einer Eventkirche werden können.“ Die Pastorin weiß, wie sie die Menschen für Kirche und Gottesdienst begeistern kann. „Wir müssen mehr und mutiger auf die Leute zugehen, sie vielleicht auch direkt einladen.“ Ihr Lächeln und ihre herzliche Art dürfte bei den Menschen gut ankommen. Dazu möchte Schoppe auf Websites und Social Media aktiv für Kirche werben.
Sie will den Bürgern aus Weetzen und Linderte nah sein und legt hohen Wert auf den persönlichen Kontakt. Sie wolle mitbringen, was den Menschen wichtig ist. Damit meint sie Musik, gesellschaftliche Themen – und Sport. „Yoga-Andachten“, lautet eine weitere Projektidee von ihr. „Ich brauche frische Luft und Bewegung, um meinen Glauben leben zu können“, betont Schoppe. „Spiritualität hat für mich viel mit Sport und Atmung zu tun.“ Schoppe möchte ihre Ansichten einbringen, um Kirche neuen Schwung zu geben. „Wir sind oft noch zu verkopft in den Kirchen, zu intellektuell und zu rational.“
Fortsetzung auf Seite 9Das zu ändern, darauf freut sich die junge Pastorin. Schon jetzt macht ihr der Job viel Spaß, Schoppe spricht von einem „bunten Arbeitsalltag“. Mal ist sie bei Sitzungen, mal tüftelt sie an ihren Projektideen, oft ist sie mit Menschen im Gespräch – beispielsweise bei Trauerfeiern. Nach so einem Tag brauche sie dann Zeit, um wieder runterfahren zu können.
Das kann sie zu Hause bei ihrem Ehemann Thomas. Zusammen haben sie mit Amanda (5) und Adam (1) zwei Kinder. Damit sich Schoppe stressfrei in ihren Beruf einfinden kann, übernimmt ihr Partner die Elternzeit für den kleinen Adam, stärkt ihr so enorm den Rücken. Um sich von der Arbeit zu erholen, verreist Schoppe mit ihrer Familie gerne – oft zieht es sie nach Dänemark. Außerdem liest sie gerne Bücher von Stephen King und genießt die italienische Küche.
Ob ihr in Weetzen die Küstenlandschaft Kiels fehlt? Eher andersherum. „Ich habe an der Küste den Wald vermisst. Für mich ist das hier gut“, sagt die begeisterte Joggerin. Ein paar Bedenken gab es beim Umzug aber. „In Kiel waren 1000 nette Kaffees, wo ich gerne einen Cappuccino getrunken habe. Meine größte Angst war, wo kann ich in Weetzen ins Café?“ Zum Glück eröffnete im letzten Sommer das Café bei Semra an der Hauptstraße, wo sie schon leckeren Cappuccino trinken durfte. „Da hat Gott meine Gebete erhört.“
Schoppe steht tief im Glauben, wird voller Leidenschaft als Pastorin arbeiten. „Ich sehe mich als Teil des Teams, nicht als leitende Person.“ Damit will sie keinesfalls die Verantwortung von sich weisen, sondern den Teamgedanken beschwören. Den lebt sie auch in der Ehe. „Mein Mann denkt erst und macht dann, ich mache erst und dann denke ich.“ Gewiss ist: Ein hohes Maß an Tatendrang und Vision kann der Kirche nur guttun.
Am morgigen Pfingstsonntag, 8. Juni, um 15 Uhr wird Rebecca Schoppe in einem feierlichen Gottesdienst in Weetzen zur Pastorin ordiniert.