Mitbestimmung zahlt sich aus
Theodor-Heuss-Grundschule Empelde überzeugt mit
Bewerbung für Aktion „Spielen macht Schule“ –
und gewinnt Grundausstattung für den neuen Spielraum

Empelde. Spielen ist nicht nur ein lustiger Zeitvertreib. „Beim Spielen lernen die Kinder so viel“, schwärmt Verena Kebsch-Jandel. Die Schulleiterin der Theodor-Heuss-Grundschule (THS) in Empelde war deshalb begeistert, als sie auf die Aktion „Spielen macht Schule“ aufmerksam wurde. Wie rund 3400 andere Schulen bundesweit bewarb sich die THS – und gewann letztlich eine von 200 Ausrüstungen für ein Spielezimmer. Eine besondere Rolle spielten dabei die Schülerinnen und Schüler selbst.

Die Freude in der Empelder Schule ist besonders groß. Unter den rund 250 Mädchen und Jungen in den Klassen eins bis vier finden sich Schüler aus etwa 30 Nationalitäten.

Darunter seinen auch Kinder aus sozial schwächeren Familien, die in kleinen Wohnungen lebten und zum Teil keinen Platz oder zu wenig Geld für Spielzeug hätten, heißt es in einem zwölfseitigen Konzept, das die Schule als Bewerbung an das Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen (ZNL) und die Initiative Mehr Zeit für Kinder als Veranstalter geschickt hatten. Unterstützt wird die Aktion von den 16 Kultusministerien der Länder. Sponsor ist der Deutsche Verband der Spielzeugindustrie.

In der THS ist eine solche Bewerbung allerdings kein Alleingang der Schulleitung. Im Mai 2024 stellte Kebsch-Jandel die Aktion zunächst den Jungen und Mädchen des Schülerrats vor. Die Grundschule befindet sich gerade im Entwicklungsprozess zu einer Unicef-Schule, in der Kinderrechte eine besondere Rolle spielen. „Spiel und Freizeit“ nennt die achtjährige Schülersprecherin Flora eines der Kinderrechte. Entsprechend halfen die Ratsmitglieder den Erwachsenen bei der Erstellung der Bewerbung. „Die Ideen der Kinder sind mit eingeflossen“, berichtet Schulsozialarbeiterin Annika Butz.

Fortsetzung auf Seite 16

Zum Konzept gehört allerdings auch eine Wunschliste, auf die die Kinder die Spielsachen schreiben durften, die sie am liebsten in ihrem Spielzimmer sehen wollten. „Ich habe alles auf einen Zettel geschrieben und die anderen konnten ankreuzen, was sie haben wollten“, erzählt Flora. Herausgekommen ist ein bunter Mix aus Brett- und Geschicklichkeitsspielen sowie verschiedene Playmobil-Sortimente. „Die habe ich am liebsten“, verrät die zweite Schülersprecherin Marlene (9). Auf deutlich mehr als 500 Euro beziffert Kebsch-Jandel den Wert der geschenkten Spielsachen.

Der Zeitpunkt hätte nicht besser sein können. „Wir sind gerade dabei, einen Spieleraum einzurichten“, berichtet Kebsch-Jandel. Neben kleinen, leicht verschiebbaren Tischen und Sitzwürfeln befanden sich bereits viele Kisten mit verschiedenen Bau- und Steckklotzsystemen wie Kapla oder Lego in dem Raum. Für einen großen Straßenteppich gibt es entsprechende Spielzeugautos. Hinzu kommen jetzt die gewonnenen Spiele, mit denen die Ausstattung komplettiert werden soll. „Einiges haben wir ja auch noch in den Klassen“, stellt Butz fest.

In dem Raum sollen die Kinder nun beispielsweise Zeiten der Freiarbeit, Betreuungs- oder Belohnungsstunden verbringen. „Gute Spiele sind eine wichtige Ergänzung des schulischen Bildungsangebots“, meint Manfred Spitzer vom ZNL in Ulm. Und auch im Ganztagskonzept spielt der Raum eines Rolle – zusammen mit einem Nachbarraum, in dem sich Geräte wie ein Krökeltisch befinden.

Mithilfe der Spiele erhoffen sich die Pädagogen unter anderem Verbesserungen in der Koordination. Aber auch für das Erlernen und Verfestigen der deutschen Sprache sollen Spiele eine bedeutende Hilfe bieten. „Insbesondere das spielerische Erlernen von deutschen Begriffen passiert dabei fast selbstständig“, heißt es im Konzept der THS.

In der Grundschule in Empelde habe man erkannt, dass die Kinder zum Teil unterschiedliche Angebote benötigen, berichtet Butz, die gemeinsam mit ihrem Kollegen Alexander Colbatzky für die Kinder da ist. „Nicht jeder und jede möchte in den Pausen raus und toben“, stellt sie fest. Im Rahmen der Entwicklung zur Unicef-Schule würden die Mädchen und Jungen zunehmend in die Prozesse und Entscheidungen einbezogen, sagt Kebsch-Jandel.

Beispielsweise durften sich die Schüler Arbeitsgemeinschaften wünschen. Zudem gibt inzwischen innerhalb der Sporthalle Fußball- und Basketballpausen – aber auch mehr Ruhezeiten. Dazu wurde eine Lesewerkstatt eröffnet. Das besondere: Die Kinder führen dabei selbst Aufsicht. „Wir schließen nur noch die Türen auf. Den Rest machen die Kinder allein“, sagt Butz.

Vor dem Spielen gibt es für die Mädchen und Jungen jetzt aber zunächst noch eine Menge zu tun. Die gerade erst angekommenen Spiele sind nämlich überwiegend noch gar nicht richtig ausgepackt. Aber auch diese Aufgabe werden die Kinder voraussichtlich überwiegend spielerisch lösen.

Druckansicht